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Schiffweiler
 
ist eine saarländische Gemeinde im Landkreis Neunkirchen, rund 20 km nordöstlich von Saarbrücken gelegen.

Der im Jahre 893 erstmals urkundlich erwähnte Ort Schiffweiler wurde im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört und erst ab 1664 wieder besiedelt.

Urkundliche Erwähnungen belegen die Gewinnung von Steinkohle ab dem Jahre 1430 und eine erste Steinkohlengrube bereits im Jahre 1766.

Der Wandel zu einem Industriestandort vollzog sich Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge der Errichtung der großen Steinkohlenbergwerke Reden (1847) und Itzenplitz (1856). Rund 150 Jahre bestimmte der Bergbau den Alltag in der Gemeinde, die rasch aufblühte. Es gab aber auch Schattenseiten. So verursachte der Bergbau immer wieder erhebliche Bergschäden; oftmals fielen Häuser schon kurz nach Fertigstellung dem Abbau zum Opfer und mussten saniert oder abgerissen werden. Mit der Schließung des Bergwerkes Reden im Jahre 1995 ging in Schiffweiler eine Ära zu Ende.


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Reden

Die Ortsteile von Schiffweiler 

Stennweiler Heiligenwald
Landsweiler-Reden

Stennweiler

Stennweiler ist mit etwa 2.300 Einwohnern der kleinste Ortsteil der Gemeinde Schiffweiler. Lange Jahre datierte man die erste schriftliche Erwähnung von Stennweiler ins Jahr 1572. In der sogenannten "Pferdehalter-Aufnahme" des Grafen von Nassau-Saarbrücken werden für Steinweiler 11 Haushaltungen aufgeführt mit insgesamt 48 Pferden, außerdem zusammen mit Schiffweiler vier Haushaltungen, die keine Pferde haben. In einer Liste der "Zehntversteigerungen des Klosters Neumünster" aus dem Jahr 1347 wird ein "Stephan von Steinwenden" als Steigerer aufgeführt. Stennweiler ist nach neuesten Untersuchungen hier lebender Heimatforscher etwa um 1300 entstanden, wohl als Tochtersiedlung des 893 erstmals erwähnten "Scufines Villare".

Hier ist anzumerken, dass die Namensform "Steinwenden" neben "Steinweiler" ebenso wie "Stennwiller" etwa bis Mitte des 16. Jahrhunderts gebraucht wurde. Es sind unterschiedliche und mundartlich geprägte Namen der gleichen Siedlung. In seinem ersten Bestandteil leitet sich der Name des Ortes von den Steinen her, die Jahrhunderte lang rund um Stennweiler gebrochen wurden. Der zweite Bestandteil "weiler" verweist auf die Siedlungsweise, die aus Einzelgehöften besteht.

Über zwei Jahrhunderte hinweg blieb die Einwohnerzahl von Stennweiler in etwa gleich: in der Kontributionsliste von 1625 werden für Stennweiler 11 Haushaltungen, 23 Pferde, 23 Kühe und 20 Schafe gezählt. Während des dreißigjährigen Krieges und hier ist insbesondere das Jahr 1635 zu nennen, verminderte sich die Zahl der Bevölkerung drastisch. Wiederaufbau und Wiederbesiedlung begannen erst ganz allmählich, wie auch in Schiffweiler.

Mitte des 18. Jahrhunderts war Stennweiler ein sogenanntes Haufendorf, in dem etwa 100 Menschen lebten. Der Ort bestand aus Einzelhöfen, die im Bereich der Steinstraße und der unteren Lindenstraße lagen. Bei den Häusern handelte es sich um eingeschossige, nicht unterkellerte Fachwerkbauten mit strohgedecktem Satteldach, sogenannte Einhäuser, die den bäuerlichen Betrieb und die bäuerliche Wohnung unter einem Dach vereinten. Die Bevölkerung von Stennweiler setzte sich aus Hörigen und Leibeigenen zusammen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts ging die Hörigkeit und die zunehmend gemilderte Leibeigenschaft ineinander über, da der Grundherr auch zugleich der Leibherr war.

Die Jahre 1792 bis 1814, die Zugehörigkeit zur 1. französischen Republik bzw. zum Kaiserreich brachten eine Neuorganisation der Verwaltung. Stennweiler wurde zur "mairie", die die Dörfer Stennweiler, Welschbach, Schiffweiler, Landsweiler und Leopoldsthal umfasste, gehörte zum "canton" Ottweiler, "arrondissement" Saarbrücken und "département de la Sarre" mit der Hauptstadt Trier. Dass Stennweiler zur mairie wurde, lag offenbar daran, dass Stennweiler vor Ende der nassau-saarbrücker Herrschaft Sitz des Meiers war. An der Spitze der "mairie" stand zunächst ein "agent municipal" (Gemeindebevollmächtigter), dann ein "maire" (Bürgermeister), der aus den Mitgliedern des "conseil municipal" (Gemeinderat) ausgewählt und vom Präfekten des Departements für fünf Jahre ernannt wurde.

1816, nach der Abtrennung von Frankreich, wurde Stennweiler als Teil der "Rheinprovinz" im Regierungsbezirk Trier und Kreis Ottweiler zur Bürgermeisterei und schloss folgende Dörfer mit ein: Schiffweiler, Welschbach und Landsweiler. Bis 1878 lag die Verwaltung in Ottweiler und kam am 01.01. 1879 in das neue Rathaus nach Schiffweiler. Allmählich änderte sich der Charakter des Dorfes, der Abbau von Steinkohle durch die Gruben Reden und Itzenplitz erschloss für die Bevölkerung eine neue Verdienstquelle. Ebenso schuf die Hütte in Neunkirchen neue Verdienstmöglichkeiten.

Die Landwirtschaft wurde Nebenerwerb und diente überwiegend der Eigenversorgung. Ein Steinbruchbetrieb in Stennweiler verlor langsam an Bedeutung. An der Straße nach Hüttigweiler entstanden vier Ziegelhütten, die diesem Gebiet bis heute den Namen gegeben haben und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts geschlossen wurden.

Bis heute hat sich Stennweiler seinen bäuerlichen Charakter bewahrt, die Erschließung von Neubaugebieten in den letzten Jahrzehnten hat den Status als Wohngemeinde noch verstärkt. Ganz wichtig für Stennweiler war im Jahre 2003 die Auszeichnung als "zukunftsfähigstes Dorf" des Saarlandes. Die vorhandenen Ressourcen auszubauen und in die Dorferneuerung zu integrieren, stehen im Mittelpunkt der weiteren Entwicklung.

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Ski und Wanderverein

Heiligenwald
Erste Hinweise auf eine Besiedlung im heutigen Ortsbereich von Heiligenwald stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also aus der Zeit der Grafen von Nassau-Saarbrücken und Ottweiler.
Dabei handelte es sich um kleinere Ansiedlungen im Bereich der heutigen Pestalozzistraße aus primitiven Lehmhütten von Köhlern, Steinbrechern, Korbmachern, Besenbindern und Ziegelmachern.Im Volksmund wird die Entstehung des Ortes Heiligenwald einem Einsiedler zugeschrieben, der im Bereich des heutigen Tafelbrunnens gelebt und Wunder bewirkt haben soll. Daher sei die Bezeichnung "Heiliger Wald" entstanden und daraus habe sich die Ortsbezeichnung Heiligenwald entwickelt. Für die Existenz eines Einsiedlers allerdings gibt es keinerlei Belege. Sprachforscher führen die Bezeichnung Heiligenwald auf die Flur-Bezeichnung "Kleiner und Großer Helgenwald" zurück.
Die Anfänge von Heiligenwald gehen auf die industrielle Entwicklung zurück. 1754 hatte der Freiherr von Kerpen eine Rußfabrik errichten lassen, in deren Umfeld eine Ansiedlung von Rußbrennern östlich der heutigen Gemeindegrenze im kerpenschen Wald entstanden war. Die Rußhütte bezog ihren Kohlebedarf aus der nahe gelegenen Grube Illingen. Man muss hierzu erwähnen, dass der Ruß keine gute Qualität hatte und daher 1850 die Rußherstellung eingestellt wurde. Heimatforscher sehen die Rußhütte als die älteste nachgewiesene geschlossene Siedlung des Ortes Heiligenwald.
Der Bereich am kleinen Helgenwald gehörte zur Herrschaft der Freiherrn von Illingen. Hier im Wald ereignete sich am 29. September 1768 ein tragischer Jagdunfall bei dem der Jäger Georg Ernst Philipp Sax durch einen unbeabsichtigten Schuss seines Jagdbegleiters, des Illinger Schulmeisters Jacob Lill, ums Leben kam. Eine nicht belegte Überlieferung besagt, dass der Franz Lothar Freiherr von Kerpen, an der tragischen Unfallstelle ein Erinnerungskreuz errichten ließ, um die Unfallstelle zu markieren. Die Stelle um das Unfallkreuz wird "Am Sachsenkreuz" genannt. Seit 1988 steht das heutige Steinkreuz, markiert aber nicht mehr den Unfallort, denn es wurde bereits mehrmals durch Straßenneubauten versetzt.
Die bergmännische Kolonie Heiligenwald wuchs ab etwa 1850 an. 1857 wurde im Rußhüttertal der Rußhüttenstollen angeschlagen und im Zuge des sich entwickelnden Steinkohlenabbaus wuchs die Colonie Heiligenwald auf dem Forstdistrikt "Kleiner Helgenwald". Mit dem Abteufen des Itzenplitzschachtes 1860 entstand im Rußhüttertal die Grube Itzenplitz, benannt nach dem preußischen Handelsminister Graf von Itzenplitz. Um die Arbeitskräfte möglichst grubennah unterzubringen, entwickelte die preußische Grubenverwaltung einen Ansiedlungsplan, die Saarknappschaft unterstützte das Siedlungsprojekt und gewährte zinsgünstige Darlehen. Der Direktor des königlichen Bergamtes zu Saarbrücken, Leopold Sello, hatte ein Prämienhaussystem entwickelt, nach dem hier in der Colonie Heiligenwald gebaut wurde.
Von der Forstverwaltung konnte Bauland in den Forstdistrikten "Großer und kleiner Helgenwald" zur Verfügung gestellt werden. In den Bereichen Kaiserstraße, Karlstraße, Bergstraße und in den Akazien entstanden die ersten Baustellen. Zum Zeitpunkt der Ansiedlung gab es keinerlei Infrastruktur, es existierten keine Straßen, keine Versorgungseinrichtungen. Die Zufahrtswege zu den einzelnen Häusern waren mit dem Pferdefuhrwerk ausgefahrene Pfade, die sich bei Regen in Schlammwüsten verwandelten, es gab kein sauberes Trinkwasser, keine Kanalisation, kein Gas. Das Wasser musste mühevoll aus den Brunnen geholt werden. Nach einigen Jahren traten erste Grubenschäden auf, die den Großteil der Häuser unbewohnbar machten. Die Grubenverwaltung musste die Häuser wieder zurückkaufen und die Menschen innerhalb von Heiligenwald umsiedeln. Untersuchungen gehen davon aus, dass bis etwa 1950 etwa 50 Wohnhäuser wegen Grubenschäden unbewohnbar geworden waren.

Das Wachsen der Grubenanlage Itzenplitz zwischen 1866 und 1900 bescherte dem Ort einen Ansiedlungsboom. Zahlreiche Bergleute und Grubenbeamte, Handwerker und Kaufleute siedelten sich in Heiligenwald an. Seit etwa 1873 ist der Ortsname Heiligenwald für die Siedlung gebräuchlich, die zu Schiffweiler gehörte. Am 21.6.1921 wird Heiligenwald nach jahrelangen Bemühungen der Einwohner selbstständige Gemeinde im Amtsverband Wemmetsweiler.

1974 im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform wird Heiligenwald Teil der neuen Großgemeinde Schiffweiler.





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Landsweiler-Reden

Nachforschungen geschichtsinteressierter Bürger - hier war federführend der ehemalige Bürgermeister Dr. Jakob Zewe in den Jahren 1925 - 1930 - ergaben, dass die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1435 datiert. In diesem Jahr verglich sich Friedrich Greiffenclau von Vollrads, auch im Namen seiner Miterben, mit der Gräfin Elisabeth von Lattring, Gräfin zu Nassau-Saarbrücken, nach "Missel und Gespennt" (Misshelligkeiten und Spannungen), die zwischen den Parteien bestanden "wegen der Leute zu Lansweiler, Schiffweiler und sonst in dem Sinderthal, die in des Grafen Hochgericht sitzen, auch wegen der Gülte der Dienste, die sie und ihre Vorfahren dem Grafen schuldig waren..."
Weitere urkundliche Erwähnungen folgten in den Jahren 1481, 1528 und 1536, bei denen das Lehen bestätigt wurde. Erst 1690 wurde Landsweiler wieder erwähnt, als der Nagelschmied Johann Seel aus Oberemmel an der Mosel sich hier niederließ. Es siedelten nach Seel weitere Menschen an und gründeten ein neues Dorf, das Neudorf oder Naudorf genannt wird. Im Haushaltsverzeichnis von 1707 wurden erwähnt: " 46 Personen, davon 19 Mannspersonen, 27 Weibspersonen, davon sind 2 lutherisch und 44 katholisch".
1748 siedelte ein Mathias Wengeroth in Landsweiler an, der zu einem der bekanntesten Landsweiler Bürger wurde. Um ihn ranken sich Sagen und Legenden, die an die Geschichten über Rübezahl erinnern. Mathias Wengeroth, genannt Wingerath, wurde 1689 geboren, 1728 kam er als Hüttenschreiber zur Neunkircher Hütte, und starb 1750, von der Bevölkerung war er, so die Geschichten, gefürchtet. Es wird auch berichtet, dass Mathias Wengeroth als Köhler und Erzgräber tätig war. Er soll auf der Jagd dem Grafen das Leben gerettet haben und deshalb zum Förster ernannt worden sein. Es wird beschrieben, dass er im Dienst rücksichtslos gewesen sei und dafür von der Bevölkerung gehasst worden sei. Heute noch soll er im Kohlwald "umgehen". 1707 gehörte Landsweiler zur "Mayerei" Welschbach und zählte 46 Einwohner. In den Aufzeichnungen von 1767 werden 19 Familien erwähnt. 1767 wurden 2870 nassauische Morgen von Schiffweiler abgetrennt und Landsweiler zugeteilt, Landsweiler erhielt seinen eigenen Bann.

Der eigentliche Aufschwung, die wirtschaftliche Entwicklung von Landsweiler hängt eng mit dem Steinkohlenbergbau zusammen.

1843/44 wurden bei Vorbereitungsarbeiten zum Bau einer Eisenbahnlinie mehrere abbauwürdige Kohlenflöze entdeckt. 1846 wurde daraufhin der Redenstollen angeschlagen, ein Jahr später wurde der Redenschacht I in Betrieb genommen. Förderung und Belegzahl erhöhte sich mit dem 1848 erfolgten Übergang zum Tiefbau und der Anwendung von Dampfmaschinen. Eigenständige Grube 8. April 1850 wurde Reden eigenständige Grube und erhielt den Namen des ehemaligen preußischen Staatsministers Friedrich Wilhelm Graf von Reden (1752 - 1814). Zu dieser Zeit arbeitete in Reden bereits eine Belegschaft von mehr als 400 Bergleuten.

Der Bedarf an Arbeitskräften für die Grube Reden wuchs, so dass in der weiteren Umgebung - Hunsrück - St. Wendel - Pfalz - Mosel Arbeitskräfte angeworben wurden. Während der Woche waren die Männer entweder in den sogenannten Schlafhäusern untergebracht oder als Logierer in Prämienhäusern von Bergleuten. Da die Bergwerksverwaltung daran Interesse hatte, die Arbeiter in der Nähe der Grube sesshaft zu machen, wurden ansiedlungswillige Bergleute durch ein Prämienhaussystem unterstützt und so wuchs die Zahl der Einwohner stetig an.

Im Oktober 1897 wurde der Bau der katholischen Kirche in Angriff genommen und am 6. Mai 1900 eingeweiht. Die Gründung der evangelischen Pfarrei Landsweiler erfolgte am 1. Juli 1906. Siedlungen wurden angelegt wie die Siedlung Heiligenwald, die Siedlung Reden, die Siedlungen Sonnenberg, Buchenkopf und Madenfelder Hof. 1937 entstand aus den Ortsteilen Landsweiler und Reden die Gemeinde Landsweiler-Reden. 1959 wurde Landsweiler-Reden, das zur Bürgermeisterei Stennweiler gehörte, amtsfrei. Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 wurde aus den ehemals selbständigen Gemeinden Landsweiler-Reden, Heiligenwald, Stennweiler und Schiffweiler die Großgemeinde Schiffweiler.

1995 endete die Zeit des Steinkohlenbergbaus in Landsweiler -Reden und in der Großgemeinde Schiffweiler.

Aus Landsweiler-Reden stammen so prominente Landespolitiker wie Johannes Hoffmann, Ministerpräsident von 1947 bis 1955, der Minister a. D. Dr. Manfred Schäfer, Fritz Pford, der Vorsitzende der KP-Saar während der Abstimmungszeit 1933/ 1935 und Wilhelm Frisch, KP-Landtagsabgeordneter, ermordet 1944.


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Bilder und Texte: schiffweiller.de








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